Archiv der Kategorie: Projekt

Auswirkungen einer Neuregelung der Cannabisabgabe auf die Verkehrssicherheit (CannaStreet)

Projektteam: Jakob Manthey, Anna Schranz, Uwe Verthein

Laufzeit:  01.10.2023-30.06.2026

In diesem Forschungsprojekt wird mithilfe eines quasi-experimentellen Forschungsdesigns untersucht inwiefern sich die beabsichtigte Gesetzesänderung bzgl. Cannabis auf die Häufigkeit 1) des Konsums von Cannabis und 2) des Führens eines Fahrzeugs unter Cannabiseinfluss (DUIC) auswirkt. Innerhalb eines 2-jährigen Beobachtungszeitraums werden wiederholt querschnittliche Befragungen zu drei Messzeitpunkten in Deutschland (Interventionsgruppe) und Österreich (Kontrollgruppe) durchgeführt. Insgesamt werden Daten von etwa 50.000 Personen erhoben.

Die Berücksichtigung einer Kontrollgruppe sowie das lange Beobachtungsintervall ermöglichen eine genaue Beantwortung der Fragestellungen. Aufgrund der Unsicherheiten in der Messung von DUIC werden verschiedene Befragungs- und Verkehrsunfalldaten ausgewertet, womit die Belastbarkeit der Interpretation empirischer Daten erhöht wird.

Dieses Forschungsprojekt wird im Auftrag der Bundesanstalt für Straßenwesen unter der FE-Nr. 82.0816/2023 durchgeführt.

Die Verantwortung für den Inhalt liegt allein beim Institut für interdisziplinäre Sucht- und Drogenforschung.

Glücksspielatlas Deutschland 2023: Zahlen, Daten, Fakten

Projektteam: Christian Schütze, Dr. Jens Kalke, Veronika Möller, Tobias Turowski, Jan Meiboom

Laufzeit:  1.10.2022 bis 31.12.2023

Kooperationspartnerinnen: Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e. V. (DHS) – Christina Rummel, Petra von der Linde; Arbeitseinheit Glücksspielforschung Universität Bremen – Dr. Tobias Hayer

Gefördert vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG) aufgrund eines Beschlusses

Der „Glücksspielatlas Deutschland 2023: Zahlen, Daten, Fakten“ steht zum kostenlosen Download zur Verfügung: https://gluecksspielatlas2023.isd-hamburg.de

Glücksspiel ist eine Querschnittsmaterie, in der höchst unterschiedliche Themenbereiche sowie Akteurinnen und Akteure mit divergierenden Wissensständen und Interessen miteinander im Handeln verbunden sind. Ob Glücksspielanbieter, Politik, Medienunternehmen, Sportverbände, Forschung oder Hilfesystem – allein diese Auswahl deutet die komplexe Gemengelage im Bereich des Glücksspiels an. Gleichzeitig wird die Diskussion im Themenfeld oftmals verkürzt, auf Basis veralteter Daten oder auch interessengeleitet geführt.

Der Glücksspielatlas Deutschland 2023 vermittelt die aktuelle Basis des Wissens zu diesem vielschichtigen Phänomen in gut verständlicher und anschaulicher Form. So soll er dabei helfen, das aktuell gesicherte Wissen zu verbreiten, um damit eine fundierte Meinungsbildung sowie eine sachbezogene Diskussion zu befördern.

Damit dies gelingen kann, wurden die relevanten Teilbereiche des Gesamtthemas in ihre wesentlichen oder auch in exemplarische Aspekte gegliedert, jeweils auf einer Doppelseite zusammengefasst und optisch ansprechend dargestellt. Grundlegende Erkenntnisse bzw. Zusammenhänge werden in Text- oder auch Abbildungsform präsentiert. Zugrunde liegt jeweils der aktuelle wissenschaftliche Sachstand. Eingeflossen sind Publikationen, die bis zum Mai / Juni 2023 publiziert wurden. Im Quellen- und Abbildungsverzeichnis wird die verwendete Literatur aufgeführt.

Der Glücksspielatlas 2023 beantwortet u. a. diese Fragen für Deutschland: Was kennzeichnet das aktuelle Glücksspielangebot? Welche spieler- und jugendschützenden Regeln gelten? Welchen Umfang hat der Glücksspielmarkt? Wie viele und welche Personen nehmen am Glücksspiel teil? Was sind Glücksspielstörungen und wie viele Personen sind von ihnen betroffen? Welche Maßnahmen des Spielerschutzes versprechen Wirksamkeit? Von wem werden Hilfeangebote in Anspruch genommen? Welche politischen Prozesse sind im Glücksspielbereich wahrnehmbar?

Die Printversion des Glücksspielatlas Deutschland 2023 kann kostenlos über das DHS-Bestellcenter geordert werden (begrenzte Stückzahlen, solange Vorrat reicht): https://www.dhs.de/infomaterial

Cannabiskonsum von Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Berlin: Ergebnisse einer Bevölkerungsumfrage

Projektteam: Dr. Jens Kalke, Moritz Rosenkranz

Laufzeit:  01.09.2022 bis 31.12.2022

In Kooperation mit Info GmbH (Berlin), Fachstelle für Suchtprävention Berlin gGmbH

Gefördert durch die Senatsverwaltung für Wissenschaft, Gesundheit, Pflege und Gleichstellung Berlin

Zusammenfassung

  • Mit der vorliegenden Befragung sollten empirische Daten über den Konsum psychoaktiver Substanzen von Berliner Jugendlichen und jungen Erwachsenen (16 bis 27 Jahre) gewonnen werden. Dabei stand der Cannabiskonsum im Vordergrund.
  • Die Befragung verfolgte das Ziel, auf einer aktuellen empirischen Grundlage angemessene präventive Maßnahmen für die Übergangsphase zwischen Verbot und kontrollierter Abgabe von Cannabis zu entwickeln und durchzuführen.
  • Für die Durchführung der Befragung wurde das Markt- und Meinungsforschungsinstitut Info GmbH aus Berlin beauftragt.
  • Es wurde ein Methodenmix eingesetzt, der eine telefonische Befragung, eine Online-Befragung sowie eine Passanten-Befragung umfasste. Die Befragung hat zwischen dem 24.09.2022 und 29.10.2022 stattgefunden.
  • Die Auswertungen basieren auf 2.410 Datensätzen. Ihre Gewichtung erfolgte anhand der Merkmale Alter, Geschlecht, Schulabschluss und ehemaliger Berliner Stadtbezirk.
  • 44% der Jugendlichen/jungen Erwachsenen haben schon mindestens einmal in ihrem Leben Cannabisprodukte (z. B. Gras, Haschisch) konsumiert. Fast 30% gaben für die vergangenen 12 Monate Cannabiskonsum an und 15,8% Konsum für die letzten 30 Tage.
  • Während der Corona-Pandemie hatte sich bei knapp einem Drittel der Konsumierenden der Cannabisgebrauch nicht verändert (31,7%). Bei fast 40% war er dagegen angestiegen (38,8%), bei knapp 20% hatte er sich verringert und jede zehnte Person stellte den Konsum ganz ein (9,8%).
  • 45,4% der im letzten Jahr Cannabiskonsumierenden könnten potentiell (laut Screening-Instrument CAST) von einer Cannabiskonsumstörung betroffen sein.
  • Nur knapp zwei Drittel der Befragten gaben THC richtigerweise als die Substanz an, die die berauschende Wirkung auslöst. Zudem waren 18,6% der (falschen) Ansicht, dass die Konsumrisiken für Erwachsene und Jugendliche vergleichbar seien.
  • Nur 40% der Befragten wussten, dass – sofern kein Rezept vorliegt – jeglicher Besitz sowie grundsätzlich die Weitergabe von Cannabis strafrechtlich verboten sind.
  • Einer weitgehenden Liberalisierung (und Kommerzialisierung) im Sinne einer rechtlichen Gleichstellung mit Alkohol stimmten 57,0% der Befragten zu (mehrere Angaben möglich). Ein ähnlich hoher Anteil (55,1%) sprach sich für ein restriktiveres legales Modell (kontrollierte Abgabe an Erwachsene in Fachgeschäften, keine Werbung) aus; 46% wünschten sich eine Entkriminalisierung (Cannabisbesitz nur noch Ordnungswidrigkeit und nicht mehr Straftat).
  • Die Befragung zeigt auch, dass während der Corona-Pandemie die höchsten Belastungen im privaten Bereich auftraten, gefolgt von schulischen bzw. arbeitsbezogenen Bereichen. Vergleichsweise am geringsten wurde die körperliche Gesundheit der Befragten durch die Pandemie beeinträchtigt. Anzumerken ist, dass minderjährige Personen in fast allen Bereichen stärker belastet waren als volljährige. Zudem haben diejenigen Personen, die während der Pandemie ihren Cannabiskonsum erhöht hatten, im Vergleich zu den anderen Befragten die höchsten Belastungen angegeben.
  • Aus den zentralen empirischen Befunden der Befragung können folgende Empfehlungen abgeleitet werden: 1.) Es sollte das Wissen zum Thema Cannabis (z. B. Risiken und rechtliche Bestimmungen) durch geeignete Aufklärungsmaßnahmen verbessert werden (universelle Cannabisprävention). 2.) Es sollten spezifische Projekte zur Vermeidung riskanter Konsumformen/-muster initiiert werden (selektive und indizierte Cannabisprävention).

Den Bericht können Sie hier herunterladen.

Alkoholmarketing und Sponsoring in Deutschland (AlmaDe)

Projektteam: Jakob Manthey, Britta Jacobsen, Sinja Klinger, Jürgen Rehm

Laufzeit:  15.09.2022-14.01.2023

Gefördert vom Bundesgesundheitsministerium (BMG)

Zusammenfassung

Die Werbeausgaben für alkoholische Getränke sind in Deutschland zwischen 2015 and 2019 stetig angestiegen, obwohl die Weltgesundheitsorganisation seit längerem nachdrücklich empfiehlt, Alkoholmarketing einzuschränken. Angesichts weiterhin hoher Trinkmengen und der daraus entstehenden gesundheitlichen Probleme ist eine Überprüfung der Marketingpraxis hierzulande angezeigt.

Im vorliegenden Forschungsvorhaben sollen Handlungsempfehlungen für eine gesundheitspolitische, kohärente Strategie zur Regulierung von Alkoholmarketing und -sponsoring erarbeitet werden. Hierzu wird zunächst eine systematische Literaturrecherche in verschiedenen wissenschaftlichen Datenbanken durchgeführt, um die empirische Faktenlage zur Effektivität von regulierenden Maßnahmen zu erfassen und nach einheitlichem Maßstab zu bewerten. Zusätzlich werden Regierungsberichte anderer EU-Länder, sowie Berichte von NGOs gesichtet.

Auf Grundlage der identifizierten Literatur werden best-practice Beispiele identifiziert, welche erwiesenermaßen zu weniger Alkoholkonsum (in der Gesamtbevölkerung oder in einzelnen Bevölkerungssegmenten wie z.B. bei Jugendlichen) beigetragen haben. Die best-practice Beispiele werden in Form eines Policy Papers allgemeinverständlich aufbereitet.

Effekte einer Cannabislegalisierung (ECaLe)

Projektteam: Jakob Manthey, Britta Jacobsen, Jens Kalke, Moritz Rosenkranz, Uwe Verthein

Laufzeit:  1.1.2023-31.03.2023

Gefördert vom Bundesgesundheitsministerium (BMG)

Zusammenfassung

    Die Legalisierung von Cannabis zu Genusszwecken kann verschiedene Auswirkungen auf den Jugend- und Gesundheitsschutz, sowie auf die Entwicklung des illegalen Marktes haben. Eine vorläufige Zusammenstellung der Literatur deutet insgesamt auf keinen sprunghaften Anstieg der Konsumprävalenz infolge der Cannabislegalisierung in Nordamerika und Uruguay hin. Jedoch verweisen einzelne Studien auf einen Anstieg der Notaufnahmen für Vergiftungen und auf eine Zunahme von Verkehrsunfällen. Um die Auswirkungen der Cannabislegalisierung auf Jugend- und Gesundheitsschutz, sowie auf die Entwicklung des illegalen Marktes umfassend zu verstehen, muss berücksichtigt werden, wie die Legalisierung konkret ausgestaltet wurde (z. B. rechtliche Grenzen, Verfügbarkeit, Restriktionen für Werbung).

    In dem vorliegenden Forschungsprojekt soll der Wissensstand zu den Auswirkungen der Cannabislegalisierung zusammengefasst werden. Hierzu wird zum einen eine systematische Literaturrecherche durchgeführt. Zum anderen werden fünf Expert:innen aus Kanada, USA, Uruguay und der Schweiz konsultiert. Das Forschungsprojekt wird durch acht Forschungsfragen gegliedert, welche aufgrund empirischer Beobachtungen als auch theoretischer Überlegungen beantwortet werden.

    Ambulante Versorgung cannabisbezogener Störungen in Deutschland (AmCaSD)

    Projektteam: Jakob Manthey, Moritz Rosenkranz

    Laufzeit:  1.1.2023-31.12.2023

    Gefördert vom Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (www.zi.de)

    Fragestellungen:

    1. Ist in der kassenärztlichen Versorgung (niedergelassene Ärzt*innen und Psychotherapeut*innen) ein Anstieg der Behandlungszahlen für cannabisbezogene Probleme zu beobachten?
    2. Warum sind die Behandlungszahlen für cannabisbezogene Probleme in der ambulanten Suchthilfe in Deutschland angestiegen?
    3. Wie hat sich die Versorgung von Personen mit cannabisbezogenen Problemen in der ambulanten Suchthilfe in den letzten Jahren verändert?
    4. Geht die Vermittlung von Personen mit cannabisbezogenen Problemen durch die kassenärztliche Versorgung in die ambulante Suchthilfe mit einem verbesserten Therapieerfolg einher?

    Die Fragestellungen werden mithilfe von Routinedaten verschiedener Datenhalter (u.a. Deutsche Suchthilfestatistik, Abrechnungsdaten aus der kassenärztlichen Versorgung, Basisdatendokumentation in der ambulanten Suchthilfe Hamburg) untersucht.

    Evaluation „Niedrigschwellige Cannabisprävention für Jugendliche in schwierigen sozialen Lagen“

    Projektteam: Christian Schütze, Veronika Möller, Dr. Jens Kalke, PD Dr. Uwe Verthein

    Laufzeit: 01.07.2021 – 31.12.2023

    Gefördert von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA)

    Der Einstieg in den Cannabiskonsum durch Minderjährige ist mit besonderen gesundheitlichen und sozialen Risiken verbunden. Deshalb liegt ein Augenmerk der Cannabisprävention darauf, Jugendliche frühzeitig zu erreichen, ihr Risikobewusstsein zu erhöhen und den Konsumbeginn hinauszuzögern oder ganz zu verhindern. Jugendliche in schwierigen sozialen Lagen stehen in der Diskussion, erhöhte Prävalenzen eines Cannabiskonsums aufzuweisen.

    Die Berliner Fachstelle für Suchtprävention hat das Präventionsprogramm „HöhenRausch“ entwickelt. Es besteht zum einen aus einem erlebnispädagogischen Kletterevent, das mit einem Cannabisparcours kombiniert wird und sich an Jugendliche richtet, die im Rahmen von Jugendhilfe bzw. Jugendarbeit betreut werden. Zum anderen werden die Mitarbeiter:innen von Jugendhilfeeinrichtungen bzw. aus der schulischen Sozialarbeit zur Durchführung solcher Kletterevents und der Verstetigung präventiver Arbeit ihrer Einrichtungen geschult (Multiplikator:innenschulungen). Schließlich werden auch die Eltern der integrierten Jugendlichen durch Informationsveranstaltungen einbezogen (Online-Elternabende).

    Die vom ISD durchgeführte und von der BZgA geförderte Evaluation begleitet und untersucht die Etablierung und Durchführung des Programms „HöhenRausch“ in Berlin, vergleicht es mit den von der Berliner Fachstelle für Suchtprävention im schulischen und Jugendhilfesetting durchgeführten Workshops „Durchblick 3D“, und analysiert die Programm-Dissemination in die Bundesländer Niedersachsen und Baden-Württemberg. Im Fokus der Evaluation stehen die Erreichung der Zielgruppen sowie die Beurteilungen und möglichen Wirkungen der Veranstaltungen.

    Im Einzelnen führt das ISD diese Evaluationsarbeiten durch:

    • quantitative Befragung der Teilnehmer:innen der erlebnispädagogischen Kletterevents in den drei Bundesländern,
    • qualitative Befragung der in den drei Bundesländern an den Kletterevents beteiligten Fachkräfte, Betreuer:innen und Klettertrainer:innen,
    • quantitative Befragung der Teilnehmer:innen der Multiplikator:innenschulungen in den drei Bundesländern,
    • quantitative Befragung der Teilnehmer:innen der schulischen Workshops in Berlin,
    • qualitative Befragung der Projektverantwortlichen in den drei Bundesländern,
    • Auswertung der Projektdokumentation.

    EVICANNAB – Wissenschaftliche Evidenz zur Akzeptanz und den Wirkungen von Maßnahmen und Elementen von Cannabis-Abgabemodellen: Eine systematische Literaturanalyse

    Projektteam: Dr. Jens Kalke, Dr. Jakob Manthey, Britta Jacobsen, Priv.-Doz. Dr. Uwe Verthein, Moritz Rosenkranz

    Laufzeit: 1.7. – 31.11.2022

    Gefördert von Bundesministerium für Gesundheit (BMG)

    Zusammenfassung

    Nach dem Koalitionsvertrag der Bundesregierung ist eine kontrollierte Abgabe von Cannabis an Erwachsene zu Genusszwecken in Deutschland geplant. Eine systematische Literaturanalyse soll eine empirische Hilfestellung sein, ein evidenzbasiertes Abgabemodell in Deutschland zu konzipieren.
    Die Literaturanalyse wird unter quantitativen und qualitativen Primärstudien durchgeführt, die in einer peer-reviewten wissenschaftlichen Fachzeitschrift veröffentlicht worden sind. Als Outcome-Variablen dienen Nutzungsraten (Reichweite), die Akzeptanz sowie Wissens-, Einstellungs- und Verhaltensänderungen (einschließlich Gesundheitsindikatoren) bei den jeweiligen Zielgruppen (z. B. Konsumierende, Verkaufspersonal). Die Recherche wird in internationalen Literaturdatenbanken erfolgen.

    Die beiden Forschungsfragen lauten dabei:

    1. Welche der verschiedenen Abgabemodalitäten wurden gut angenommen und haben gut funktioniert, welche weniger gut?
    2. Welche Effekte auf den Konsum, das Risikoverhalten und andere gesundheitliche Parameter zeigten sich dabei?

    Es werden Evaluationsstudien zu den verschiedenen Merkmalen und Modalitäten legaler Abgabemodelle aus den Ländern USA, Kanada und Uruguay in die Literaturanalyse eingeschlossen (z. B. Art der Abgabestelle, Altersgrenze, Produktangebot, Abgabe- und Besitzmengen, Warnhinweise, Personalschulungen, Konsumtipps).

    Aktuelle Ergebnisse

    Download –> Handlungsempfehlungen zur Legalisierung von Cannabis in Deutschland

    Glücksspielteilnahme und glücksspielbezogene Probleme in der Bevölkerung – Glücksspiel-Survey 2021

    Projektteam: Dr. Sven Buth, Dr. Jens Kalke, Prof. Dr. Gerhard Meyer (Universität Bremen)

    Laufzeit: 2021 bis 2026

    Gefördert von Deutscher Lotto- und Totoblock

    In Zusammenarbeit mit der Info GmbH (Berlin)

    Hintergrund und Fragestellung

    • Mit dem Glücksspielsurvey soll ein Beitrag geleistet werden, die epidemiologischen Erkenntnisse über die Glücksspielteilnahme und -probleme der bundesdeutschen Bevölkerung weiter zu verbessern. Auf der Grundlage solcher – in zweijährigen Abständen erhobenen Daten – können Maßnahmen des Spieler- und Jugendschutzes evaluiert und gegebenenfalls verbessert werden.
    • Bei dem Glücksspielsurvey 2021 handelt es sich um keine einfache Fortschreibung des bisherigen Monitoring der BZgA. Mit den Veränderungen bei der Erhebungsmethodik (kombinierte Telefon- und Online-Befragung) und den -instrumenten (DSM-5) ist vielmehr ein methodischer Neustart verbunden.

    Methodik

    • Die Datenerhebung erfolgte in Form eines Mixed-Mode-Design (CATI: Festnetz- und Mobiltelefonnutzer*innen & CAWI: Online-Access-Panelist*innen). Zwischen dem 03.08.2021 und dem 16.10.2021 sind insgesamt 12.303 Personen zwischen 16 und 70 Jahren befragt worden (CATI: 7.501; CAWI: 4.802). Die Gewichtung erfolgte nach soziodemografischen Merkmalen (Alter, Geschlecht, Schulabschluss) sowie der Erhebungsart (2/3 telefonisch; 1/3 online). Glücksspielbezogene Probleme der erwachsenen Bevölkerung (18-70 Jahre) wurden auf Basis des DSM-5 erhoben.
    • Neben Fragen zum Spielverhalten, zu glücksspielbezogenen Problemen, zur Bedeutung von Werbung für Glücksspiel und zu gesundheitsbezogenen und soziodemografischen Merkmalen beinhaltete der Fragebogen auch eine Itemliste, mit welcher die Kenntnis und Akzeptanz von insgesamt elf verschiedenen Maßnahmen des Jugend- und Spielerschutzes in der Bevölkerung erfasst wurden.

    Ergebnisse (Auswahl)

    • 29,7% der Bevölkerung haben in den letzten 12 Monaten mindestens ein Glücksspiel um Geld gespielt (Männer: 34,7%; Frauen: 24,5%). Jede fünfte Person nahm in den letzten 12 Monaten zumindest einmal am Zahlenlotto teil (19,3%; Eurojackpot: 10,7%). Insgesamt 6,8% spielten riskante Glücksspielformen (Automatenspiel, Kasinospiele, Sportwetten).
    • 2,3% der 18- bis 70-Jährigen sind – bezogen auf die zurückliegenden 12 Monate – von einer „Störung durch Glücksspielen“ (DSM-5) betroffen (leichte Störung 1,1%, mittelschwere Störung: 0,7% schwere Störung: 0,5%). Bei 5,7% der Befragten ist zudem von einem riskanten Spielverhalten (1-3 erfüllte DSM-5-Kriterien) auszugehen. Die höchsten Anteilswerte einer glücksspielbezogenen Störung finden sich unter den Spieler*innen an Geldspielautomaten (33,4%), gefolgt von Spieler*innen an Glücksspielautomaten in Spielbanken (31,5%) und den Live-Sportwetter*innen (29,7%). Deutlich geringer sind die zugehörigen Prävalenzwerte bei den klassischen Lotterien.
    • Die weit überwiegende Mehrzahl der befragten Personen fühlt sich über die Gefahren des Glückspielens (sehr) gut informiert (78,3%). Am bekanntesten ist in der Bevölkerung das Teilnahmeverbot für Minderjährige (85,3%). Aufklärungsmaßnahmen und Suchthinweise sind 75,5% bzw. 70,3% bekannt. Des Weiteren wurde die Akzeptanz des Spielerschutzes erhoben: Die höchste Zustimmungsrate findet sich beim Glücksspielverbot für Kinder und Jugendliche (86,3%). An zweiter Stelle folgt die Aufklärung über die Suchtgefahren des Glücksspiels (82,9%). Fast 70% der Befragten plädieren für eine Beschränkung der Werbung für Glücksspiele (68,6%).

    Diskussion

    • Die Ergebnisse des Glücksspielsurveys 2021 verweisen auf das unterschiedliche Gefährdungspotential der einzelnen Glücksspielformen. Bei der Gestaltung und Etablierung von Spieler- und Jugendschutzmaßnahmen sollte dies dahingehend Berücksichtigung finden, dass Präventionskonzepte für die riskanten Glücksspiele eher restriktiv gestaltet und verhältnispräventiv ausgerichtet werden. Ferner zeigen die Befragungsergebnisse, dass eine gute Kenntnis und Akzeptanz der verschiedenen Maßnahmen des Jugend- und Spielerschutzes in der Bevölkerung vorhanden ist.

    Den Bericht können Sie hier herunterladen.

    Auswirkungen der Schließung von terrestrischen Glücksspielangeboten aufgrund eines pandemiebedingten Lockdowns auf das Glücksspielverhalten

    Projektteam: Dr. Sven Buth, Christian Schütze, Dr. Jens Kalke

    Laufzeit: 01.11.2020 bis 31.01.2021

    Gefördert von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA)

    Hintergrund und Fragestellung

    • Es gibt in der Fachöffentlichkeit die verbreitete These, dass Beschränkungen bei terrestrischen Glücksspielen zu einem Ausweichen der Glücksspieler*innen auf die Onlineangebote führen. Ob und in welchem Maße dieses jedoch zutrifft, ist bisher weder national noch international auf Basis belastbarer Daten systematisch untersucht worden.
    • Die COVID-19-bedingten Lockdowns mit den verfügten Schließungen gewerblicher Spielhallen, Spielbanken, Wettbüros und einem Teil der Lotto-Annahmestellen zwischen März und Mai sowie ab November 2020 ermöglichten die Durchführung eines Forschungsprojektes mit einem quasi-experimentellen Untersuchungsdesign, in welchem die Auswirkungen der deutlichen Beschränkungen des gesamten terrestrischen Glücksspielangebotes erstmals für Deutschland empirisch untersucht werden konnten.
    • Die vorliegende Untersuchung geht den folgenden Forschungsfragen nach:
      1. Wie veränderte sich das Glücksspielverhalten der an terrestrischen Glücksspielen teilnehmenden Personen nach der Schließung der Spielstätten?
      2. Führten stark eingeschränkte Möglichkeiten der Freizeitgestaltung dazu, dass Menschen, die bisher keine Affinität zum Glücksspiel aufwiesen, damit begannen, an Online-Glücksspielen teilzunehmen?
      3. Welche psychischen, sozialen und/oder finanziellen Probleme ergaben sich aus den pandemiebedingten Lockdowns im Allgemeinen und der Schließung der terrestrischen Glücksspielangebote im Besonderen?
      4. Welche begleitenden Spielerschutzmaßnahmen wären während der Lockdownphasen sinnvoll gewesen, um mögliche negative Folgen eines intensivierten Onlinespielverhaltens zu minimieren?

    Methodik

    • Die formulierten Forschungsfragen sollten auf Grundlage quantitativer Daten untersucht werden. Zu diesem Zweck wurde eine Online-Befragung (Pay-Pack-Panel) durchgeführt. Um nicht nur Aussagen zu den Glücksspieler*innen im Allgemeinen, sondern auch zu den Nutzer*innen der unterschiedlichen Glücksspielformen treffen zu können, bedurfte es einer Stichprobe, welche eine hinreichend große Fallzahl pro Spieler*innengruppe enthält. Zudem sollte in der Untersuchung auch nach dem Setting der Spielteilnahme unterschieden werden (überwiegend online, überwiegend stationär, online & stationär). Mit Blick auf die für Deutschland fünf bedeutsamsten Glücksspielarten – Lotterien, Rubbellose, Kasinospiele, Automatenspiele und Sportwetten – ergaben sich somit 15 Spielergruppen.
    • Der Onlinefragebogen wurde unter Anwendung der Umfragesoftware Lime Survey programmiert, welcher mittels eines Links im Web-Browser oder auch auf Tablets oder Smartphones aufgerufen und beantwortet werden konnte. Die Befragung startete am 2. Dezember 2020 und endete am 18. Januar 2021.
    • Die Inhalte des Fragebogens orientierten sich an den einleitend formulierten Forschungsfragen. Ein besonderer Fokus lag hierbei auf der Differenzierung nach den verschiedenen Pandemiephasen:
      • Phase 1: Zeit unmittelbar vor dem ersten Lockdown (Januar & Februar 2020),
      • Phase 2: Zeit während des ersten Lockdowns (März-Mai 2020),
      • Phase 3: Zeit nach dem ersten Lockdown (Juni-Oktober 2020),
      • Phase 4: Zeit während des zweiten Lockdowns (ab November 2020).

    Ergebnisse

    • Die Analysen zeigen, dass kurzfristige Schließungen von terrestrischen Spielstätten von einem Teil der Glücksspielenden als Anlass genommen werden, mit dem Glücksspiel – zumindest für einen mittelfristigen Zeitraum – aufzuhören. Die größten Anteile von Beender*innen – gemeint sind hiermit Spieler*innen, welche eine vor dem ersten Lockdown gespielte Spielform nach Beendigung des Lockdowns nicht weiterspielen – finden sich beim rein stationären Kasino- und Automatenspiel (68% bzw. 45%).
    • Auch ist während und durch die beiden Lockdownphasen ein Ausweichen aus den stationären Angeboten auf die weiterhin verfügbaren Online-Glücksspiele nicht erkennbar. Selbst ein Teil der ausschließlich online spielenden Glücksspieler*innen stellt das Online-Glücksspiel – der jeweils betrachteten Spielform – ein. Das gilt für alle fünf der hier einbezogenen Glücksspielformen; überdurchschnittlich häufig ist ein solches Verhalten bei Frauen und jüngeren Personen zu beobachten. Die größten Anteile von diesen Beender*innen beim reinen Online-Setting finden sich auch hier beim Kasino- und Automatenspiel (47% bzw. 43%).
    • Die vorliegende Untersuchung weist unabhängig von den Lockdownphasen darauf hin, dass Personen, die sowohl online als auch terrestrisch spielen, von Spielproblemen in besonderem Maße betroffen sind; dies gilt für alle betrachteten Glücksspielarten.
    • Glücksspiel-Werbung hat drei von zehn der Beginner*innen dazu animiert, mit dem Spielen anzufangen. Eine ähnliche Wirkung zeigt sie bei den aktiven Spieler*innen. Vier von zehn der Befragten, die von einer Steigerung der Spielteilnahme während des ersten Lockdowns berichten, führen diese – neben anderen Gründen – auf die Wahrnehmung von glücksspielbezogener Werbung zurück.

    Schlussfolgerungen für Prävention und Hilfe

    • Die Ergebnisse dieser Studie geben empirische Hinweise auf die zu erwartenden Auswirkungen verhältnispräventiver Eingriffe im Glücksspielwesen. Die Schließungen während der beiden Lockdowns hatten offensichtlich für einen Teil der Spielerschaft positive Wirkungen auf das Spielverhalten. Es stellt sich deshalb die grundsätzliche Frage, ob kurze, zeitlich befristete Schließungen von terrestrischen Spielstätten geeignete Maßnahmen wären, um Glücksspielenden die Möglichkeit zu erleichtern, über ihr unkontrolliertes Spielverhalten nachzudenken oder das Spielen gänzlich zu beenden.
    • Dabei wäre ein zahlenmäßig nennenswertes Ausweichen auf die bestehenden Glücksspielangebote im Internet durch eine solche „Angebotspause“ nach den Ergebnissen dieser Studie nicht zu erwarten. Suchtprävention und -hilfe im Glücksspielbereich müssten im Falle der Realisierung einer solchen Maßnahme so konzipiert sein, dass sie mit geeigneten Maßnahmen potenzielle Aussteiger*innen unterstützen könnten.
    • Es wurde bereits darauf hingewiesen, dass die Untersuchung ebenfalls belegt, dass Personen mit einem kombinierten Glücksspielverhalten (online und terrestrisch) von Spielproblemen in besonderem Maße betroffen sind. Sie sollten deshalb zukünftig stärker in den Fokus von Forschung, Prävention und Hilfe genommen werden.
    • Letztendlich weist die Untersuchung auch darauf hin, welchen bedeutsamen Einfluss die Werbung auf die Initiierung bzw. Steigerung eines Glücksspielverhaltens hat. Daraus lässt sich die Empfehlung ableiten, glücksspielbezogene Werbung in inhaltlicher, zeitlicher und räumlicher Hinsicht strengeren Restriktionen zu unterwerfen.

    Den Bericht können Sie hier herunterladen.

    Eine Veröffentlichung zu Teilergebnissen können Sie hier herunterladen.