Glücksspielteilnahme und glücksspielbezogene Probleme in der Bevölkerung – Glücksspiel-Survey 2025

Hintergrund und Fragestellung

  • Mit dem Glücksspiel-Survey soll ein Beitrag geleistet werden, die epidemiologischen Erkenntnisse über die Glücksspielteilnahme und -probleme der bundesdeutschen Bevölkerung weiter zu verbessern. Auf der Grundlage solcher – in zweijährigen Abständen – erhobenen Daten können Maßnahmen des Jugend- und Spielerschutzes evaluiert und gegebenenfalls verbessert werden.

Methodik

  • Grundgesamtheit der Befragung ist die in der Bundesrepublik Deutschland lebende, Deutsch sprechende Wohnbevölkerung in Privathaushalten im Alter zwischen 16 und 70 Jahren mit mindestens einem Telefonanschluss (Festnetz oder Mobilfunk) bzw. Personen zwischen 16 und 70 Jahren, die in einem der einbezogenen Online-Access-Panels angemeldet sind. Die Interviews wurden im Zeitraum vom 4. August bis 26. November 2025 von der INFO GmbH Markt- und Meinungsforschung erhoben.
  • Der Gesamtstichprobenumfang der Erhebung beträgt 12.340 vollständige Interviews, von denen 64,9% telefonisch (N=8.006) und 35,1% als Onlinebefragung (N=4.334) erfolgten. Die Ausschöpfung lag für die telefongestützte Erhebung bei 24,3% und für die Onlinebefragung bei 17,4%. Neben der Designgewichtung und der Gewichtung nach soziodemografischen Merkmalen erfolgte zusätzlich noch eine Anpassung hinsichtlich der Erhebungsform. Hierfür sind die Gewichte so berechnet worden, dass die Fallzahlen der telefonischen und onlinegestützten Teilstichproben im gewichteten Datensatz ein Verhältnis von zwei Dritteln zu einem Drittel aufweisen.

Ergebnisse (Auswahl)

Glücksspielteilnahme

  • 36,4% der Bevölkerung haben in den letzten 12 Monaten an mindestens einem Glücksspiel um Geld teilgenommen. Bei den Männern ist dieser Anteil größer als bei den Frauen (40,4% zu 32,4%). Aufgegliedert nach Altersgruppen zeigt sich, dass der Anteil aktuell Glücksspielender mit dem Alter ansteigt, bis auf 40,3% in der Altersgruppe der 56- bis 70-Jährigen. Der Anteil von Spieler*innen beträgt bei den Personen ohne Migrationshintergrund 38,8%; bei denjenigen mit einem Migrationshintergrund ist der entsprechende Wert wesentlich geringer: 28,3%.
  • 11,7% der Befragten nehmen mindestens wöchentlich; 3,4% zwei- bis dreimal im Monat; 9,8% einmal im Monat und weitere 11,5% seltener als einmal im Monat an Glücksspielen teil. Ein gutes Viertel aller Befragten praktiziert ausschließlich eine Glücksspielform (26,6%), bei 6,8% sind es zwei, bei 1,8% drei und bei 1,2% vier und mehr verschiedene Glücksspiele. 16,6% aller Befragten spielen ausschließlich in stationären Spielstätten. Gut jede zehnte Person (10,8%) spielt ausschließlich Online-Glücksspiele und 8,4% bevorzugen eine Kombination aus beiden Spielsettings.
  • Wird eine Auswertung nach einzelnen Glücksspielformen vorgenommen, steht an erster Stelle das klassische LOTTO 6aus49. Beinahe jede fünfte Person hat daran in den letzten 12 Monaten zumindest einmal teilgenommen (18,3%). An zweiter Stelle folgt der Eurojackpot mit einem Anteilswert von 13,8%. Insgesamt haben 7,5% der Bevölkerung in den letzten 12 Monaten an riskanten Glücksspielformen teilgenommen – hierzu zählen das Automatenspiel, die Kasinospiele, die Sportwetten und KENO. Getrennt nach dem Zugang zum Glücksspiel ergeben sich Anteilswerte von 4,7% für den stationären Zugangsweg und 4,3% für das Online-Glücksspiel.

 Glücksspielbezogene Störungen

  • Insgesamt 5,5% aller 18- bis 70-jährigen Befragten erfüllen ein bis drei Kriterien des DSM-5. Bei ihnen ist ein riskantes Spielverhalten nicht auszuschließen. Von einer glücksspielbezogenen Störung nach DSM-5 sind 2,2% [95%-KI: 1,9% – 2,5%] betroffen. Der Anteil mit einer leichten Störung liegt bei 0,9%, der mit einer mittleren und einer schweren Störung jeweils bei 0,6%. Männer weisen mit einem Anteilswert von 3,2% häufiger eine glücksspielassoziierte Störung auf als Frauen (1,1%). Der jeweilige Anteil von Personen mit einer glücksspielbezogenen Störung ist unter den Spieler*innen einzelner Spielformen unterschiedlich ausgeprägt. Die höchsten Anteilswerte finden sich unter den Spieler*innen virtueller Automatenspiele (32,5%), von Geld- (23,4%) und Glücksspielautomaten (28,1%) sowie Live-Sportwetten (27,0%).

Kognitive Verzerrungen

  • Unter kognitiven Verzerrungen werden hier Denkfehler verstanden, die in Zusammenhang mit dem Glücksspielen stehen und dazu führen können, dass die Spielteilnahme aufrechterhalten oder intensiviert wird. Zur Messung (glücksspielbezogener) kognitiver Verzerrungen wurde der Gamblers Beliefs Questionnaire (GBQ; Steenbergh et al., 2002) eingesetzt.
  • Die an Glücksspielen teilnehmenden Männer (bezogen auf die letzten 12 Monate) weisen einen höheren durchschnittlichen GBQ-Wert auf als die Frauen (47 vs. 39). Zudem sind jüngere Spieler*innen in stärkerem Maße von kognitiven Verzerrungen betroffen als ältere (18-25 Jahre: 57; 56-70 Jahre: 37). Noch deutlichere Unterschiede sind zu erkennen, wenn glücksspielbezogene Parameter in den Blick genommen werden. So steigt die Intensität kognitiver Verzerrungen mit der Anzahl verschiedener, innerhalb eines 12-Monats-Zeitraums gespielter Glücksspielformen stetig an (eine Spielform: 40; vier oder mehr Spielformen: 76).
  • In der Gruppe der Hybrid-Spielenden (stationäre und onlinegestützte Glücksspielteilnahme) sind kognitive Verzerrungen besonders ausgeprägt. Ihr GBQ-Wert (74) liegt bemerkenswert über dem derjenigen, die ausschließlich stationär oder online an Glücksspielen teilnehmen (51 resp. 58). Noch größere Differenzen zeigen sich, wenn nach den glücksspielbezogenen Problemen unterschieden wird. Während für Befragte, die keines der DSM-5-Kriterien erfüllen, ein Wert von 38 ermittelt wurde, beträgt dieser bei den riskant Glücksspielenden bereits 57. Nochmals deutlich ausgeprägter sind diese fehlerhaften Denkschemata, wenn Befragte mit einer glücksspielbezogenen Störung in den Blick genommen werden (z.B. schwere Glücksspielstörung: 95).

 Maßnahmen des Jugend- und Spielerschutzes

  • Am bekanntesten ist in der Bevölkerung das Teilnahmeverbot für Minderjährige. 85,0% der Befragten wissen, dass Glücksspiele für Kinder und Jugendliche in Deutschland nicht erlaubt sind. Aufklärungsmaßnahmen und Suchtwarnhinweise zu den Gefahren des Glücksspiels sind bei 77,2% bzw. 73,8% der Befragten bekannt.
  • Neben der Bekanntheit von Spielerschutzmaßnahmen ist auch die Zustimmung zu diesen erhoben worden. Die höchste Zustimmungsrate findet sich beim Glücksspielverbot für Kinder und Jugendliche. Neun von zehn der Befragten sind der Meinung, dass Glücksspiele um Geld erst ab 18 Jahren erlaubt sein sollten (91,9%). Hohe Akzeptanzraten weisen auch die Aufklärung über die Suchtgefahren des Glücksspiels sowie die Suchtwarnhinweise mit 88,5% bzw. 81,1% positiver Nennungen auf. Über drei Viertel aller Befragten plädieren für eine Beschränkung der Werbung für Glücksspiele (78,3%).

Empfehlungen für die Praxis

  • Die Ergebnisse des Glücksspiel-Survey 2025 verweisen auf das – auch aus vielen anderen nationalen und internationalen Studien bekannte – unterschiedliche Gefährdungspotential der einzelnen Glücksspielformen. Bei der Gestaltung und Etablierung von Jugend- und Spielerschutzmaßnahmen in Deutschland sollte dies dahingehend Berücksichtigung finden, dass Präventionskonzepte für die riskanten Glücksspiele eher restriktiv gestaltet und verhältnispräventiv ausgerichtet werden.
  • Die Analysen zeigen ferner, dass mit dem Schweregrad einer Glücksspielstörung auch die kognitiven Verzerrungen zunehmen. In der Behandlung der Glücksspielsucht sollte deshalb die therapeutische Aufarbeitung von kognitiven Verzerrungen eine bedeutsame Rolle spielen. Gleichfalls sollten präventive Maßnahmen durchgeführt werden, mit denen der Entstehung von Trugschlüssen über das Glücksspiel sowie Kontrollillusionen vorgebeugt wird.

Die Befragungsergebnisse verweisen schließlich auf eine zunehmende Akzeptanz der verschiedenen verhaltens- und verhältnispräventiven Maßnahmen des Jugend- und Spielerschutzes unter den Glücksspielenden, wie beispielsweise das Teilnahmeverbot für Jugendliche, Aufklärungsmaterialien, Spielersperre und Werbebeschränkungen. Dies sollte bei der Fortschreibung des Glücksspielstaatsvertrages berücksichtigt werden.

Den Bericht können Sie hier herunterladen.